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Kinder und Karriere - wir ermöglichen Frauen beides

Aufgrund von sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten vollzogenen sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen wird die Erfüllung des Kinderwunschs in immer spätere Lebensphasen verschoben. So betrug das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt des ersten Kinds in Deutschland Anfang der 90er-Jahre ca. 25 Jahre, gut 20 Jahre später bereits 30 Jahre. Ab dem Alter von 25 Jahren nimmt die Fruchtbarkeit der Frau jedoch stetig ab. Während sich beim Mann immer neue Spermien bilden können, werden Frauen mit einer bestimmten Anzahl an Eizellen geboren – der Vorrat an Eizellen ist also endlich.

Social freezing – durchgeführt in jungen Jahren – bietet die Chance, die Qualität der Eizellen und damit auch die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit für Frauen im höheren Alter zu bewahren. Somit kann Frauen die Möglichkeit eröffnet werden, unabhängiger und selbstbestimmter ihr Leben zu planen.

Neben der sozialen Indikation können Eizellen auch aus medizinischen Gründen, beispielsweise vor einer die Eizellen schädigenden geplanten Chemotherapie oder Bestrahlung wegen einer Krebserkrankung, eingefroren werden. Hier kann alternativ oder zusätzlich auch die Entnahme und gegebenenfalls spätere Rückgabe von Eierstockgewebe über eine Bauchspiegelung zum Einsatz kommen, beispielsweise dann, wenn keine Zeit mehr für Hormonbehandlung und Eizell-Punktion bleibt. Für die Entnahme und Transplantation von Eierstockgewebe ist unsere Klinik das Zentrum in Bayern.

Der Ablauf des Social freezings entspricht prinzipiell dem einer Kinderwunschbehandlung in Form assistierter Reproduktion (sogenannte künstliche Befruchtung). Einziger Unterschied ist, dass momentan keine Schwangerschaft angestrebt wird. Es erfolgt im Rahmen des Social freezing am Anfang des Zyklus der Beginn einer Hormonbehandlung, die die Eierstöcke zur Bildung von Eibläschen und später Eizellen anregen soll. Diese dauert in der Regel ein bis zwei Wochen. Das Ziel ist, 20 bis 30 Eizellen zu gewinnen, um eine ausreichende Fruchtbarkeitsreserve anzulegen. Gegebenenfalls sind dafür wiederholte Behandlungen und Eizell-Punktionen notwendig.

Die Eizellen werden in Kurznarkose ultraschallgesteuert über die Scheide -- also unter Schonung der Bauchdecke -- punktiert und anschließend im Labor untersucht. Die Eizell-Punktion ist ein ambulanter Eingriff. Im Normalfall ist vier Stunden danach die Entlassung nach Hause möglich. Wurden die Eizellen im Rahmen der Punktion nach einer hormonellen Stimulation gewonnen, werden sie – in der Regel unbefruchtet – umgehend in unserem IVF-Labor vitrifiziert (in flüssigem Stickstoff schockgefroren). Dadurch wird ihr biologischer Alterungsprozess gestoppt. Bei akutem Kinderwunsch können die Eizellen aufgetaut, mit Spermien befruchtet und im Rahmen eines Kryo-Zyklus in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Die Eizellen werden im IVF-Labor gelagert. Wenn der Kinderwunsch erfüllt werden soll, werden sie aufgetaut, ggf. befruchtet und es werden ein bis maximal drei Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt. Dafür ist keine Narkose mehr erforderlich.

Jede medizinische Behandlung birgt das Risiko von Nebenwirkungen. Dies wiegt hier umso schwerer, da es sich beim Social freezing nicht um eine Notfallbehandlung aufgrund einer schweren Erkrankung, sondern um einen geplanten Eingriff bei in der Regel gesunden jungen Frauen handelt. Risiken sind Nebenwirkungen der Hormonbehandlung (leichte wie Bauchschmerzen oder Stimmungsschwankungen, aber seltener auch schwere wie Thrombose oder Embolie) und Komplikationen bei der Eizell-Punktion (z.B. Infektion, Organ- oder Gefäßverletzung, Blutung, Narkose-Nebenwirkung). Insgesamt treten Nebenwirkungen, insbesondere schwere, selten auf. Bisher gab es in Deutschland keinen Todesfall im Rahmen einer Social freezing-Behandlung.

Die Kosten für das Social freezing werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Für die Hormonbehandlung mit Punktion und Einfrieren von Eizellen muss man mit ca. 3.300 € Kosten rechnen. Die Lagerung der Eizellen im Labor kostet jährlich rund 220 €. Der Vertrag zur Lagerung der Eizellen kann jederzeit gekündigt werden. Das Entnehmen und Einfrieren von Eierstockgewebe aus sozialen Gründen kostet rund 3.300 €, das Entnehmen und Einfrieren von Eizellen und Eierstockgewebe 5.000 €.

So positiv die Errungenschaften der modernen Medizin beim Social Freezing auch erscheinen mögen, so kritisch ist es allerdings auch zu sehen. Auch wenn in vielen Fällen eine Schwangerschaft im höheren Lebensalter ermöglicht wird, so kann sie dennoch der jeweiligen Frau nicht versprochen werden. Pro eingefrorener Eizelle beträgt die Chance für eine Schwangerschaft ca. zehn Prozent. Eine Schwangerschaft ab 35 Jahren geht mit erhöhten Risiken, beispielsweise für Frühgeburt, Schwangerschafts-Diabetes oder die sogenannte Schwangerschaftsvergiftung einher. Auch der Einfluss einer späten Elternschaft auf die Kinder ist kritisch zu sehen. Mitunter kann es während der Schwangerschaft und der Kindererziehung zu Überforderungssituationen kommen. Womöglich können die Eltern nicht mehr ihre Enkelkinder aufwachsen sehen. So gesehen stemmt man sich mit dieser Behandlung gegen die Natur, was kritisch zu sehen ist.

Allerdings trifft dies auf fast alle medizinischen Behandlungen zu. Das Social Freezing bietet Frauen eine Hilfe, die aufgrund einer privaten oder beruflichen Zwangslage den Kinderwunsch als menschliches Grundbedürfnis nicht im jüngeren Alter erfüllen können. Es ist letztlich eine logische Folge der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen und entspricht dem Zeitgeist.

Blick ins Labor

Wurden die Eizellen im Rahmen der Punktion gewonnen, werden sie -- in der Regel unbefruchtet -- umgehend in unserem IVF-Labor vitrifiziert (in flüssigem Stickstoff schockgefroren). Bei Temperaturen um die -200°C werden die Eizellen in einen Ruhezustand versetzt. Dadurch wird der biologische Alterungsprozess der Eizellen gestoppt. Bei akutem Kinderwunsch können die Eizellen aufgetaut, mit Spermien befruchtet und im Rahmen eines Kryo-Zyklus in die Gebärmutter eingesetzt werden.

In das IVF-Labor kommen die Eizellen nach der Punktion. Sie werden hier begutachtet und anschließend eingefroren oder im Falle einer Kinderwunschbehandlung mit Spermien befruchtet und danach im Brutschrank weiterkultiviert. Hat sich ein Embryo entwickelt, kann dieser in die Gebärmutter eingesetzt werden. Haben sich mehrere befruchtete Eizellen zu einem Embryo weiterentwickelt, können diese auch eingefroren und ggf. später im Rahmen eines sogenannten Kryo-Zyklus zurückgegeben werden. Auch Eierstock- oder Hodengewebe können im IVF-Labor eingefroren bzw. gelagert werden.

Die Abkürzung IVF steht für das erste Verfahren der assistierten Reproduktion (Befruchtung von Eizellen außerhalb der Gebärmutter), die sogenannte In vitro-Fertilisation. Die Biologinnen und Biologen im IVF-Labor machen aber noch viel mehr als die eigentliche IVF.

Das IVF-Labor bietet verschiedenste, über die klassische assistierte Reproduktion hinausgehende, Leistungen an:

  • Aufbereitung von Spermien vor der intrauterinen Insemination IUI (Einspritzen von Spermien in die Gebärmutter)
  • Maßnahmen der assistierten Reproduktion (In vitro-Fertilisation IVF und intracytoplasmatische Spermieninjektion ICSI)
  • Einfrieren von unbefruchteten oder befruchteten Eizellen mittels Vitrifikation und Slow freezing
  • Einfrieren und Lagerung von Eierstockgewebe
  • Einfrieren von Hodengewebe
  • Lagerung von Eizellen und Hodengewebe
  • Embryokultur

Wurden die Eizellen bzw. das Eierstockgewebe entnommen, werden sie in Tiefkühl-Behältern des IVF-Labors mit flüssigem Stickstoff innerhalb kürzester Zeit auf Temperaturen von ca. -200°C abgekühlt ("schockgefroren"). Dadurch werden die Zellen bzw. das Gewebe in einen Ruhezustand des Stoffwechsels versetzt. Biologische Alterungsprozesse schreiten nicht weiter voran.

Damit unsere Klinik die Eizellen im gefrorenen Zustand im IVF-Labor lagern darf, sind wir verpflichtet, mit Ihnen einen Vertrag, den sogenannten "Vertrag Kryokonservierung und Lagerung von Eizellen im Vorkernstadium", abzuschließen. Sie können Ihre Eizellen jederzeit von uns anfordern bzw. den Vertrag kündigen.

Inhalt des Vertrags zur "Kryokonservierung und Lagerung von Eizellen im Vorkernstadium" ist eine Vereinbarung, in der Sie als Auftraggeber das Universitätsklinikum Elangen beauftragen, Eizellen zu entnehmen, einzufrieren, im IVF-Labor zu lagern und Ihnen ggf. später befruchtet zurückzugeben. Dafür darf Ihnen das Universitätsklinikum die Kosten für den Laboraufwand in Rechnung stellen.

Sie haben jederzeit das Recht, die Eizellen anzufordern und in entsprechenden Transportbehältern mitzunehmen oder an eine von Ihnen benannte Stelle schicken zu lassen. Des Weiteren können Sie die Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen zu jedem Zeitpunkt dazu beauftragen, die eingelagerten Eizellen zu entsorgen.