Was bedeutet dies für betroffene Patienten?

Fortpflanzungszentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

Bei mir wurde ein MRKH-Syndrom festgestellt. Was bedeutet dies für mich?

Bei den meisten jungen Mädchen wird das Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom erst in der Pubertät erkannt. Dieser Altersabschnitt ist ein großer Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden und die Mädchen entwickeln in dieser Zeit ein eigenes weibliches Körpergefühl und Sexualität.

Es gibt zwei entscheidende Tatsachen, die mit einer Diagnose des MRKH-Syndroms einhergehen und die für die Betroffenen zweifellos schockierend sind.

Die Gebärmutter ist nicht oder nur rudimentär angelegt, daher ist eine Schwangerschaft für die betroffenen Mädchen nicht möglich.

Ebenso ist Geschlechtsverkehr in den meisten Fällen aufgrund einer zu kurzen oder nicht vorhandenen Scheide ohne therapeutische Maßnahmen erstmal nicht möglich. Rein äußerlich entwickeln sich die Patientinnen vollkommen normal zur erwachsenen Frau. Für Außenstehende ist die Erkrankung nicht erkennbar.

Schwangerschaft und Sexualität sind sehr emotionale Themen und die mit dem MRKH-Syndrom verbundenen Konsequenzen sind für die Patientin und die Eltern anfangs nicht leicht zu verkraften. Unerfüllter Kinderwunsch und nicht ausgelebte Sexualität bilden den Kern des Syndroms und bedeuten für die betroffenen Mädchen oftmals große seelische Belastungen und gehen mit Ängsten oder auch Zweifeln an der eigenen Weiblichkeit einher.

Wichtig ist eine schrittweise, realitätsnahe Annäherung und Auseinandersetzung mit der Erkrankung. Hierbei können der Frauenarzt und spezialisierte Psychologen Unterstützung leisten. Ein sensibler, aber offener Umgang mit der neuen Lebenssituation kann sehr hilfreich sein, um das Selbstwertgefühl zu stärken, Hoffnung zu vermitteln und den Mut nicht zu verlieren.

Die emotionale Belastung ist groß. Eine solide Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patientin kann helfen, um der Patientin Ängste zu nehmen und gemeinsam individuelle Wege für die weitere Therapie zu finden.  

Hierfür wurden verschiedene Therapiemöglichkeiten entwickelt, mit denen eine neue Scheide geschaffen werden kann, um Geschlechtsverkehr zu ermöglichen. Bei funktionsfähigen Eierstöcken ermöglicht die moderne Reproduktionsmedizin eine Entnahme eigener Eizellen, welche mit dem Samen des Partners befruchtet werden können und von einer Leihmutter ausgetragen werden können. Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland allerdings nicht erlaubt und kann hier nicht durchgeführt werden.