Therapiemöglichkeiten

Fortpflanzungszentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

Therapiemöglichkeiten

Ziel der Behandlung ist die Bildung einer funktionellen und ästhetisch ansprechenden Scheide (sogenannte Neovagina). Die dadurch gewonnene Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr leistet einen wesentlichen Beitrag für eine glückliche Partnerschaft und für das Selbstbild als Frau. Es werden sowohl nicht-chirurgische als auch chirurgische Methoden genutzt. Für alle Methoden ist Voraussetzung, dass die Patientin die notwendige emotionale Reife hat und motiviert ist, die Nachbehandlung uneingeschränkt durchzuführen. Eine zu frühe Scheidenanlage sollte vermieden werden und kann ohne regelmäßigen Geschlechtsverkehr wieder kleiner werden.

Nicht-chirurgische Methoden

Das Grundprinzip besteht darin, dass die Patientin selbstkontrolliert durch regelmäßige Dehnung des Vaginalgrübchens eine Scheide schafft. Die Scheide wird hierbei von der Patientin durch Dilaratoren und/oder Geschlechtsverkehr selbst gedehnt. Der Erfolg des Verfahrens setzt aber voraus, dass zumindest ein kleines Vaginalgrübchen vorhanden ist und dass die Patientin ein hohes Maß an persönlicher Reife und Geduld mitbringt. Der Prozess kann als äußerst schmerzhaft, langwierig und belastend empfunden werden, die Länge der Neovagina wird zudem meist nur durch regelmäßige sexuelle Aktivität aufrechterhalten bzw. in einigen Fällen kann die gewünschte Größe und Funktionalität trotz monate- bis jahrelanger Dehnung nicht erreicht werden.

  • Nicht-chirurgische Vaginaldehnung nach Frank: Dehnung des Vaginalgrübchens durch ansteigend längere und stärkere Glasdilatatoren für sechs bis zwölf Wochen, dreimal 20 Minuten täglich.
  • Modifikation des Verfahrens: Benutzung von Plastikprothesen für 20 Minuten täglich, Benutzung des eigenen Fingers, mehrmals täglich für ca. 5 Minuten

Chirurgische Methoden

Dehnungschirurgische Methoden modifiziert nach Vecchietti

Die Methode der Wahl zur Anlage einer Neovagina ist heutzutage die laparoskopisch-assistierte Neovagina-Anlage modifiziert nach Vecchietti. Das operative Prinzip besteht in einer kontrollierten Dehnung des Vaginalgrübchens. Über ein Steckgliedphantom wird kontinuierlich Druck auf das Vaginalgrübchen ausgeübt und dadurch innerhalb von Tagen eine Neovagina gebildet.

Während der Operation wird ein Phantom in das meist vorhandene Scheidengrübchen eingebracht. Mit Hilfe einer Bauchspiegelung (= Laparoskopie) werden an diesem Phantom zwei Fäden befestigt, die durch die Bauchdecke in Höhe des Bauchnabels zu einem Spannapparat gezogen werden. Der Spannapparat wird nun über einen Zeitraum von wenigen Tagen täglich nachgespannt. Durch Zug an den Fäden zieht er die Scheide in die Bauchhöhle und verlängert die Scheide. Während dieser Zeitspanne muss die Patientin im Krankenhaus bleiben. Anschließend werden Spannapparat und Steckgliedphantom wieder entfernt und die Patientin kann in die Nachbehandlung entlassen werden. Eine selbst durchgeführte Vordehnung der Scheide vor der Operation verbessert das Ergebnis.

Vorteile:

Diese OP-Methode ist effektiv, schnell und sicher und kann auch bei Beckennieren oder anderen renalen Fehlbildungen durchgeführt werden. Es werden Scheidenlängen von 10 - 12 cm innerhalb weniger Spanntage erreicht, bei einer mittleren OP-Dauer von ca. 1 Stunde. Ein Bauchschnitt (= Laparotomie) ist nicht notwendig, sodass kaum Narben entstehen. Ein großer Vorteil ist außerdem, dass die Neovagina wie eine normale Scheide reagiert. Sie wird, wie bei jeder anderen Frau, feucht und weit beim Geschlechtsverkehr. Für den Partner ist kein Unterschied zu einer normalen Vagina bemerkbar. Die Patientin kann bereits wenige Wochen nach der Operation Geschlechtsverkehr haben und somit eine normale Partnerschaft führen.

Komplikationen:

In den letzten Jahren konnten durch Verbesserungen an der Operationsmethode und Operationsinstrumente die Komplikationsraten deutlich reduziert werden. Trotzdem besteht die Gefahr der Verletzung von Blase und Harnröhre oder auch des Darmes. Auch Blutungen oder Nervenläsionen sind mögliche Komplikationen. Einer Verkürzung und Verengung der neu gebildeten Scheide ist nach der Operation möglich, wenn die Anweisungen des behandelten Arztes nicht richtig befolgt werden.

Chirurgisch-plastische Verfahren

  • Spalthautvagina nach McIndoe/Bannister
  • Neovagina aus herausoperierten Darmsegmenten (zumeist nur noch nach Krebsoperationen)
  • Douglas-Peritoneum-Neovagina nach Davidov (zumeist nur noch nach Krebsoperationen)

Nachbetreuung, Pflege und Hygiene einer Neovaginaanlage

Die Phase der Nachbetreuung ist entscheidend für den Erfolg und das Resultat der Operation. Die neu gebildete Scheide muss nach der Operation abheilen und der Körper muss sich an die neue Situation gewöhnen. In dieser Zeit ist es sehr wichtig, dass sich die Patientin genau an die ärztlichen Anweisungen hält und regelmäßig zu den Nachuntersuchungsterminen kommt. Dort können alle Fragen und mögliche Probleme besprochen werden.

Scheidenphantom

Direkt nach der Entfernung des Spannapparates und des Steckgliedphantoms wird ein Scheidenphantom in die neu gebildete Scheide eingebracht. Das Scheidenphantom besteht aus Kunststoff und ist in verschiedenen Formen und Längen erhältlich. Das Scheidenphantom verhindert, dass die Scheide sich verkürzt oder enger wird. Deshalb ist es sehr wichtig, dass sie zu Beginn Tag und Nacht getragen wird.

Wie lange muss das Scheidenphantom getragen werden?

In den ersten 3 Monaten nach der Operation sollte das Phantom nur zum Stuhlgang und zum Wasserlassen bzw. zum Geschlechtsverkehr herausgenommen werden und direkt danach wieder, gereinigt, eingeführt werden. Anschließend sollte das Phantom noch für einige Monate nachts getragen werden, damit eine Schrumpfung und Verkürzung der Scheide vermieden wird. Geschlechtsverkehr ist normalerweise nach ca. 4 - 6 Wochen möglich.

Pflege und Hygiene

Die Prothese sollte täglich herausgenommen, gewaschen und Östrogensalbe aufgetragen werden. So kann sie problemlos wieder, wie ein Tampon, eingeführt werden.

Die neue Scheide sollte weder mit Wasser ausgespült noch mit anderen Crémes gepflegt werden. Die richtige Reinigung des Phantoms und das Auftragen der östrogenhaltigen Créme auf das Phantom pflegt die neue Scheide ausreichend.

Nach der Operation wird Ausfluss auftreten. Dieser Ausfluss ist normal und wird sich nach einiger Zeit wieder zurückbilden. Es ist sinnvoll, in dieser Zeit eine Slip-Einlage zu tragen. Sollte sich der Ausfluss jedoch plötzlich verändern in Farbe oder Geruch, oder sollte Juckreiz oder Brennen auftreten, ist es ratsam, Ihre Ärztin oder den Arzt aufzusuchen. Eine mögliche Infektion kann dann erkannt und behandelt werden.

 
Kontakt

Telefon: 09131 85-33524
Fax: 09131 85-33545
E-Mail: fk-uffatuk-erlangen.de