Chemotherapie und Fruchtbarkeit

Fortpflanzungszentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

Was versteht man unter einer keimzellschädigenden (gonadotoxischen) Behandlung?

Einige Erkrankungen und deren Therapie zerstören Eierstock- bzw. Hodengewebe und führen damit potenziell zur Unfruchtbarkeit und zu Hormonmangelerscheinungen (bei der Frau sind vorzeitige Wechseljahre die Folge). Zytostatika und Bestrahlung, die notwendig sind, um Krebserkrankungen zu behandeln, vernichten leider nicht nur Krebszellen, sondern je nach Medikament und notwendiger Dosierung auch Keimzellen, also Ei- und Samenzellen. Gelegentlich werden auch nicht-bösartige, rheumatologische oder autoimmunologische Erkrankungen mit Zytostatika behandelt; dies aber zumeist über einen längeren Zeitraum und in einer niedrigen Dosis.

Was sind die Risiken dieser Behandlung im Hinblick auf die Fruchtbarkeit und die Geschlechtshormonproduktion?

Das Keimzellgewebe im Eierstock und Hoden produziert neben den Ei- bzw. Samenzellen auch die Geschlechtshormone. Durch innere und äußere Einflüsse kann es zu einem vorzeitigen Verlust von keimzelltragendem Gewebe kommen, was eine Sterilität zur Folge hat.

Bei Frauen macht sich eine Erschöpfung der Eierstockfunktion durch das Ausbleiben der Menstruation als Folge der nicht mehr möglichen Eizellreifung bemerkbar. Zusätzlich entsteht ein Mangel an Sexualhormonen (Östradiol und Progesteron) der sich durch wechseljahrsähnliche Beschwerden (Hitzewallungen etc.) bemerkbar macht.

Bei Männern kann des Weiteren durch eine Schädigung der hormonproduzierenden Leydig-Zellen z. B. durch eine höher dosierte Bestrahlung der Hoden- ein Testosteronmangel auftreten. Auch nach einer Bestrahlung des Gehirns kann es in der Folge zu einem Testosteronmangel durch Schädigung der Hypophyse kommen. Um die Muskulatur, den Knochenbau, die Körperfettverteilung, den sexuellen Antrieb, die Spermienproduktion und die Potenz zu erhalten, können männliche Hormone in Form von Gels, Pflaster oder von Spritzen verordnet werden, die den Mangel ausgleichen.

Toxische (zellschädigende) Effekte von Chemotherapeutika bei der Frau

Bestimmte Chemotherapeutika können einen toxischen Effekt auf Keimzellen haben. Die Zahl z. B. der Eizellen, die unter dieser Behandlung verloren gehen, hängt von vielen Faktoren ab: Je höher die Dosis des Medikamentes und je älter die Frau zum Zeitpunkt der Therapie ist, um so wahrscheinlicher ist es, dass so viele Eizellen verloren gehen werden, dass die Fruchtbarkeit abnimmt, bzw. eine vorübergehende oder permanente Unfurchtbarkeit die Folge sein wird.

Da Frauen ihren "Eizellpool" (s.o.) nicht regenerieren können, nimmt mit der toxischen Wirkung der Krebsbehandlung auch die Eizellereserve ab. Wenn über einen längeren Zeitraum die Menstruation ausbleibt, so ist eine vorzeitige Erschöpfung der Eierstockfunktion (Ovarialinsuffizienz) eingetreten, deren Symptome gut mit Hormonersatztherapie (z. B. einer "Pille") behandelt werden können.

Beispiele von Krankheiten der Frau, deren Behandlung mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer bleibenden Unfruchtbarkeit einhergeht:

  • Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome
  • Brustkrebs
  • Knochenmarktransplantationen, z.B. wg. Leukämien
  • Krebserkrankungen des Magen-Darmtraktes
  • Knochenkrebs (Ewingsarkom)
  • Eierstockkrebs
  • Gutartige autoimmunologische Erkrankungen, die eine niedrigdosierte Chemotherapie über einen langen Zeitraum erfoderlich machen

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Toxische (zellschädigende) Effekte von Chemotherapeutika beim Mann

Chemotherapeutika vom Typ der Alkylantien haben einen besonders keimzellschädigenden Effekt, der dosisabhängig ist.

Zur Behandlung von Hodenkrebs wird in Abhängigkeit von der Tumorart Carboplatin oder Cisplatin eingesetzt. Auch hierunter ist ein dosisabhängiger Effekt auf die Spermienproduktion zu erwarten. Je höher die Gesamtdosis ist, um so wahrscheinlicher ist ein negativer Effekt auf die Spermienproduktion bis hin zur Unfruchtbarkeit. Der Spermiogrammbefund unterliegt gelegentlich großen Schwankungen. Selbst wenn nach der akuten Phase der Chemotherapie eine Kontrolluntersuchung zeigen sollte, dass keine Spermien vorhanden sind, so erholt sich die Spermienproduktion häufig wieder! Aus diesem Grund kann man nicht sicher sein, dass eine ungewollte Zeugung ausgeschlossen ist. Für den Zeitraum der Chemotherapie und die nächsten 6 Monate nach der Behandlung sollten Frauen und Männer eine sichere Verhütungsmethode wählen, um mögliche Schädigungen des Embryos zu verhindern.

Beispiele von Krankheiten beim Mann, deren Behandlung mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer bleibenden Unfruchtbarkeit einhergeht

  • Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome
  • Knochenmarktransplantationen, z. B. wg. Leukämien
  • Krebserkrankungen des Magen-Darmtraktes
  • Knochenkrebs (Ewingsarkom)
  • Hodenkrebs
  • Prostatakrebs
 
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