Bestrahlung und Fruchtbarkeit

Fortpflanzungszentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

Allgemeines

Die Strahlenempfindlichkeit von Eierstock und Hodengewebe ist sehr unterschiedlich und zudem abhängig vom Lebensalter des/der Betroffenen. Die Strahlendosis wird in Gray angegeben. Bestrahlungen können in Form von Einzelbestrahlung oder in mehreren Teilbestrahlungen bis zum Erreichen der angestrebten Zieldosis (fraktionierte Bestrahlung) vorgenommen werden. Eine Schädigung von Ovar und Hoden kann nicht nur bei einer direkten Bestrahlung erfolgen, sondern aufgrund der Streuung der Strahlung auch bei einer Bestrahlung anderer Organe im Bereich des Bauches oder des Beckens.

Bestrahlung der Frau

Bei Frauen ist das Lebensalter zum Zeitpunkt der Bestrahlung sehr bedeutsam, um das Risiko einer nachfolgenden Unfruchtbarkeit abzuschätzen. Die Bestrahlung des Eierstocks eines Mädchens vor der Pubertät ist wesentlich weniger kritisch als die einer Frau kurz vor den Wechseljahren. Die verbleibende Eizellreserve einer 45jährigen Frau ist viel geringer als die eines Kindes vor der Pubertät. Bei einer Bestrahlung von 2 Gy werden 50% des funktionellen Gewebes geschädigt. Generell kann man sagen, dass unabhängig vom Lebensalter eine Bestrahlung des Eierstocks mit einer Strahlendosis von 10 Gy und mehr bei den meisten Frauen zu einem Verlust der Eierstockfunktion führt Die Folge ist dann eine dauerhafte Sterilität, welche dann auch mit einem behandlungsbedürftigen Hormonmangel einhergeht.

Nach Bestrahlung des kleinen Beckens kann es des weiteren zu einer Beeinträchtigung der Eileiterfunktion kommen. Da der Eileiter der Ort der Befruchtung ist, kann dies zur Unfruchtbarkeit führen. Dieser Zustand kann seit 1978, der ersten erfolgreichen Anwendung der künstlichen Befruchtung (IVF) beim Menschen, sehr gut überwunden werden.

Bestrahlung des Mannes

Nach einer Einzelbestrahlung des Hodens sind die Nebenwirkungen deutlich geringer als nach mehreren Teilbestrahlungen. Während nach einer Strahlendosis des Hodens von 2 Gray zum Teil nach 30 Monaten ganz normale Samenbefunde gefunden werden, führt die gleiche Gesamtdosis nach fraktionierter Bestrahlung zu einer Azoospermie, d.h. zu einem vollständigen Verlust der Samenzellproduktion und damit zur Unfruchtbarkeit. Ab einer Strahlendosis des Hodens von ca. 30 Gray ist auch die Hormonbildung gestört und es kommt bei 50% der Männer nach einer solchen Bestrahlung zu einem Mangel des Sexualhormons Testosteron. Daher ist eine Kontrolle und ggf. Substitution notwendig.

 
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